Neukölln – wegziehen oder bleiben?

Ich möchte, das mein Bruder bleibt.
Mein Bruder hat eine Tochter, sie wächst hier in Neukölln-Rixdorf auf, sie ist 4 Jahre alt. Es dauert nicht mehr lange, dann wird sie eingeschult. Der Kindergarten in der seine Tochter am Richardplatz in Neukölln geht ist super – kleine Gruppen, Bio-Essen, Yoga und Töpfern stehen auf dem Programm. Die Kita ist teurer, deshalb gibt es hier auch kaum die typischen Milieuprobleme wie in vielen Nachbarkindergärten. Auch bekommt man in der Kita kaum einen Platz, es werden momentan nur noch Geschwisterkinder aufgenommen.

Demnächst steht die Schulfrage an, „bleiben oder wegziehen. – oder fahren“ ist die Frage.
Eine Initiative „bildungsnaher“ Eltern hier im Kiez lud die Schulleiter der zwei anliegenden Schulen ein. Der eine Rektor sagte, man solle seine Kinder besser nicht in seine Schule schicken, da so viel Gewalt auf dem Schulhof stattfände, sein Einzugsgebiet würde so ungünstig liegen, das sich in Konflikt stehende ethnische Gruppen in der Schule bekriegen würden.
Die andere Schule präsentierte sich mit vier engagierten Lehrern und einer Schulleiterin, die sehr motiviert war. Ein Apell: „Schicken Sie uns Ihre Kinder, dann stellen wir uns auf Ihre Kinder ein.“ Momentan wird als Erfolg verbucht, wenn eine Mutter nach einem halben Jahr gelernt hat dem Kind ein Pausenbrot zu schmieren. Sprachförderung sei der große Schwerpunkt, der wegen des schwierigen Milieus und dem Migrationshintergrund, der bei über 93 % der Kinder vorliegt, ja auch notwendig sei.
Fakt ist, das bildungsnahe Türken ihre Kinder nicht hier zur Schule schicken, sondern in andere Stadtteile, da sie auf der Schule kaum auf deutschsprachige Kinder treffen, von denen sie eben Deutsch lernen könnten.

Durchschnitt erwünscht.
Berlin bekam letzte Woche ein Zertifikat, in dem Berlin einen der schlechtesten Bildungsdruchschnitte im Bundesgebiet bestätigt wurde. Wo gibt es sie noch, die ganz normalen Schulen, mit Bildungsdurchschnitt, -also eigentlich gar keine besondere Schule, eine ganz normale. Die Maßstäbe sind anders, in Neukölln sowieso.