Weihnachtsfoto aus Masar e Sharif

Weihnachten im Camp

Weihnachten im Camp

Hallo Johann,

hier nun endlich ein Foto aus dem Camp.

Entschuldige, dass ich Dir nicht früher geantwortet habe. Hier in Masar e Sharif ist einiges los – in vielerlei Hinsicht.  Letzte Woche war Minister von Guttenberg mit seinem Tross (inkl. Talkshow) im Camp und hat hier alles ziemlich aufgemischt, heute war Bundeskanzlerin Angela Merkel da. Ich kann Dir alle Details erzählen, wenn ich in eineinhalb Monaten nach Hause komme.

Lass uns Weihnachten telefonieren, ihr seit ja sicher an Heiligabend bei Vater zuhause. Ist mein Päckchen mit meinen Geschenken an Euch schon angekommen?

Ich vermisse Euch!

Leo

Lieber Bruder

Eleonore Prochaska (1785-1813)

Eleonore Prochaska (1785-1813)

Ach Johann,
endlich komme ich dazu, Dir zu schreiben. Glaub mir, Du hast es mir mit Deinen lieben Briefen noch erschwert, nicht antworten zu können.

Erst einmal, vielen lieben Dank für die CD, ich habe heute mal wieder das Rauch-Haus Lied gehört und erinnerte mich an Deine kleine Wohnung. Deine kleine Zweizimmerluxuswohnung, die Du so toll für Louise getrennt hast. Bitte schick mir Bilder von ihrem Zimmer, es ist so wechselhaft chaotisch.

Von Chaos kann hier übrigens keine Rede sein. Alles ist ständig in Aufregung. Ich musste mich an Einiges im Camp gewöhnen. Die Luft ist ganz unbeschreiblich. Kein Vergleich zu Deinem Neukölln.

So und nun zu Deinen Fragen.

Allein gehe ich nicht aus dem Camp und ich werde mir keine Drogen auf einem Markt in Masar e Sharif kaufen. Aber ich hab gut gelacht über die Frage.

Bei Deiner letzten Frage ging es mir nicht anders. Ja, die Duschen sind hier Unisex, aber es gibt Zeiten ausschließlich für Männer und Frauen, es gibt also keine Orgien im Dampfbad.

Den Gefallen, um den Du mich gebeten hast, gehe ich nach! Ich finde schon eine einheimische Pflanze, die ausgeführt werden darf. Aber Du kannst Dir vorstellen, dass wir bei der Post nicht wenigen Frachtbestimmungen unterliegen.

Man nennt mich hier seit ein paar Tagen August Renz’, – ja nach dem Pseudonym unsere Ururgroßtante Eleonore Prochaska. Du wirst es nicht glauben, aber einer der Kameraden kannte doch plötzlich die Geschichte von Eleonore Prochaska. Er las das Ende ihres ‘Briefes vor und prompt war ich August Renz. „RREEENNNZ“ „Jawohl.“ und ich find das nicht witzig. Schau Dir mal das Foto an, was ich von ihr im Internet entdeckt habe. Erschrocken hat mich meine Ähnlichkeit Eleonore, auch mit ihrer knabenhaften Erscheinung. Es fühlt sich sogar etwas bedrohlich an. Man nennt Eleonore, habe ich herausgefunden, auch die “preussischen Jean Arc” aus Potsdam, die gegen Napoleon vor 225 Jahren in den Befreiungskämpfen in Männerkleidung gekämpft hat. Sie wurd in einer Schlacht bei Dannenberg verwundet und starb drei Wochen spätr an den Verletzungen. Sie war 28 Jahre und fühlte sich berufen als Soldat gegen Usurpatoren zu kämpfen. Ich bin Soldatin und mache hier in Afghanistan meinen Job.

So, ich mache jetzt Schluss. In den nächsten Tagen komme ich wieder öfter dazu, Dir zu antworten, bitte melde Dich bald.

Ich küsse Dich und Louise,

Leo