Die Aura einer Soldatin

Hallo Leo,

ich weiß nicht, wie ich an eine Frau und eine neue Mutter für Louise kommen soll? Am Anfang habe ich gedacht, wenn ich im Kindergarten bin, treffe ich bestimmt auf Mütter, die mich interessieren könnten. Aber denkste, nix da. Immer sind sie in Eile oder schon vergeben. Und die Frauen, die Zeit haben, die will ich nicht, die fühlen sich so an, wie Janine. Warum ich das nicht rechtzeitig gemerkt habe, wie viel Dünnsinn von ihr kam und wie wenig zuverlässig sie ist. Vielleicht bin ich aber auch zu ängstlich. Ich spreche die Frauen eigentlich nicht an, sondern bekomme nur mit, wie sie so sind. Es ist aber auch schwer allein an eine Frau heran zu treten. Ich brauche Deine Hilfe, Du musst mich ihnen vorstellen. Du wirkst immer imposant, wenn Du im Raum bist, Dich wollen die anderen Frauen kennen. Wenn Du dabei bist, gucken mich die Frauen auch anders an. Ob Du auf meine Erscheinung abstrahlst?

Ich freue mich auf jeden Fall auf Anfang Februar. So lange war es doch noch, oder?
Louise hat die Sornay in ihrem Zimmer und sie ist ihr ganz wichtig! Vater möchte morgen mit ihr rumprobieren. Ich bin mal gespannt, ob sie ein paar vernünftige Töne hinbekommt. Vater hatte es zu Weihnachten geschafft. Ein schönes Geschenk und das mit dem Opium tut mir leid. Ich war nur etwas niedergeschlagen zu der Zeit und die Nähe zu Drogen in Neukölln ist immer da. Die Leute hier lösen Probleme nicht, sie bekommen sie gar nicht mehr mit, so druff wie die sind. Jetzt, da Tauwetter war, kommt auch wieder der ganze Unrat zu Tageslicht, der im letzten Monat einfach im Schnee verschwunden war.

Ach nein, darüber zu reden macht mich mürrisch.

Louise grüßt Dich und gibt Dir einen Kuss auf den Monitor, ich konnte sie nicht abhalten!

Auch von mir,

J.

Nachbarn

Tempelhof

Tempelhof Sonnenuntergang

Soso Leo,

Du willst mir also sagen, wie ich meine Nachbarn sehen soll. Ich weiß nicht, ob Du verstanden hast, was das bedeutet. Im Haus ist einfach viel mehr los! Über mir wohnen Rumänen, die sind ganz einfallsreich. Die bekommen jeden Tag mehrfach Besuch und dann läuft die Waschmaschine. Unten im Hof stehen viele Kinderwagen einfach rum und werden im Regen nass. Das ist egal, weil darin nicht Kinder, sondern Wäscheberge transportiert werden. Die Mülltonnen sind nicht für so viele Bewohner ausgelegt und quellen immer über. Ein neues Gegengewicht sind die Müllsammler, die durch unseren Hof ziehen. Oft Frauen, die richtig in den Tonnen kramen. Toller Anblick, wenn ich mit Louise im Hof sitze und mit ihr auf der kleinen Rasenfläche spiele. Nicht mal grüßen können sie, damit sie nicht so fremd bleiben, nix da. Kopp zu, Ogen ganz groß und schön iss.

Das musste ich jetzt auch mal sagen. Fand ich ja lustig, als Du das im letzten Brief geschrieben hast.

Mag ich.
J.