August Renz in Afghanistan

Leo Prochaska, Wasserzeichen

Leo Prochaska, Wasserzeichen

Hallo Johann,

Ich weiß auch nicht, wie die Zeit vergeht, sie fliegt gerade mal wieder. Du hattest Recht mit Deinem Ritual, ich denke ich hab mein Fett weg, ich gehöre jetzt mit August Renz richtig zu ihnen. Irgendwas brauchten sie, um aus mir einen echten Kameraden zu machen. Aber dass es mich zu Anfang geärgert hat, macht mich schon stutzig. Ich dachte gleich, sie wollen hier nicht akzeptieren, dass ich eine Frau bin. Meine Arbeit hier ist nicht körperlich, ich führe keinen Krieg. Ich trage zwar eine Waffe, aber ansonsten fülle ich eine Funktion aus, wie es jeder andere auch könnte. Ich bin jetzt aber hier für mein Land und für die Hilfe. Das habe ich alles gedacht und es ging mir besser, als ich Deinen Brief las. Ich bin hier nicht mehr irgendjemand in irgendeiner Funktion. Ich gehöre einer Gruppe an, in der alle das Selbe wollen. Es ist nicht, (wie ich im ersten Brief sagte,) einfach nur eine Job in Afghanistan, es ist ein Dienst. Wir stehen hier nicht mehr am Anfang, ich setze etwas fort und ich bin stolz darauf.

So. Das musste ich alles mal schreiben.

Und jetzt noch was!

Mein Schreck über Dich war ganz schön groß! Ich hab Dich ja noch nie so schimpfen hören, wie in diesem Brief. Es ist mir bei Dir noch nicht aufgefallen, wie es in Deinem Haus sonst noch aussieht, da hast Du recht, aber das ist auch kein Grund, sich so ausfallend über Deine Nachbarn zu äußern.

Ich hoffe, Du richtest den Blick weg von den Unterschieden, auf Eure gemeinsamen Bedürfnisse. Sei also nicht so voreingenommen durch die Differenzen.

Ich denke an die kleine Louise und vermisse sie sehr. Bitte schicke mir noch mehr Bilder!!!

Kuss für Euch,

Leo

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