Die Trinkhalle in Deutsch-Rixdorf
Lieber Johann,
gegenüber der City-Toilette steht seit dem Jahr 1910 eine Trinkhalle entworfen von Reinhold Kiehl, auch “Pilz” genannt. 1859 entwickelte der Berliner Architekt Martin Gropius die Grundform dieser Trinkhalle, die bald zum Vorbild für Trinkhallen (sogar in Paris u.a.) wurde. Seit 32 Jahren führt Familie Fabian in zweiter Generation darin eine Imbissbude. Es ist der einzige Ort auf dem Platz an dem sich die Kulturen wirklich begegnen und nicht nur nebeneinander her leben. Zitat Fabian: “Aische, Du darfst keine Pommes essen. Es ist noch Ramadan!”.
Neukölln ist ein Ort, an dem Menschen nie lange bleiben wollten und wollen, das belegt auch die neue Topos-Sozialstudie. In ihr steht, das eine klassische Gentrifizierung vor Ort nicht stattfindet, es gäbe in Neukölln eher eine sehr spezielle Situation, nämlich das die Armen, die hinzuziehen die noch Ärmeren verdrängen. Da kann Friedrich Wilhelm I mit seiner Wohnungsbeschaffungsmaßnahme ein Vorbild sein. Er erbaute in kürzester Zeit die Höfe in denen seit 275 Jahren immer noch Böhmen wohnen. Seither üben sie ihre Religion frei aus und können ihre Traditionen und Bräuche leben. Der heutige soziale Wohnungsbau muss weiter ausgebaut werden, damit Menschen bleiben können. – Und dies jetzt. Damit es nicht zu einer ähnlichen schlimmen Schieflage kommt wie an den Schulen vor Ort, resultierend aus einer Jahrzehnte langen verfehlten Bildungspolitik, die bis heute anhält. In diesem Sinne ist Friedrich Wilhelm I mit seinem “In-Time-Management” sehr aktuell und ein Vorbild.
Soweit die Neuigkeiten aus dem Böhmischen Dorf. Liebe Grüße. Leo
Mai 4, 2012
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